Die neue Zeit erkannte man auch daran, daß man nun begann, die alten Karrenwege durch Straßen zu ersetzen. Als erstes wurde 1853 der Bau einer solchen durch den Ort in Angriff genommen, 1858 folgte die Strecke von der Kapelle bis in den Zipf und auch in Richtung Kadolz fing man mit den Vorbereitungsarbeiten an. 1853 ließ Graf Schünborn die erste Wasserleitung vom Bründl bis zur vierfachen Allee beim Ort leiten. Dieses Wasser sollte das stark saliterhältige aus den Brunnen ersetzen. 1858 ließ der Bäckermeister Martin Kornherr auf dem Berg bei der Kunigundenkirche eine Windmühle erbauen, sie dürfte aber nicht lange bestanden haben.
Ein besonderes Anliegen des Komturs als Schulpatron war es, die Ausbildung der Kinder zu fördern. Die Zahl der Schulkinder war seit 1800 von 122 ständig auf 178 im Jahr 1846 angestiegen. Sie wurden mit einem Gehilfen von dem aus Wultendorf stammenden Johann Muck unterrichtet, der 1822 Peschka nachgefolgt war. 1847 trat sein gleichnamigen Sohn an seine Stelle. Die vielen Kinder hatten in dem alten beengten Schulhaus nicht mehr genügend Platz, daher entschloß sich die Gemeinde 1854 über Anregung und mit tatkräftiger Hilfe des Grafen Schönborn zu einem Neubau. Das alte Gebäude wurde im Frühjahr abgerissen, und bereits am 26. November wurde das neue feierlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen 4000 Gulden. Sie wurden zur Hälfte von der Kommende, zur anderen von der Gemeinde getragen. Die weiter anwachsende Zahl der Kinder machte es notwendig, das Gebäude 1876 und 1877 zu erweitern. Josef Keck, der seit 1859 den Unterricht leitete und mit dem Reichsvolksschulgesetz 1869 zum Oberlehrer ernannt worden war, betreute nun mit drei Hilfslehrern über 250 Kinder in vier Klassen.
Mailberg blieb in dieser Zeit auch von Unglücksfällen nicht verschont. 1855 wurden die Einwohner von der Cholera heimgesucht. Sie wütete hauptsächlich in der Neustift und forderte 40 Todesopfer. 1857 starben 30 Personen an der Ruhr.
Besonders fürchteten sich in früheren Zeiten die Menschen vor einer Feuersbrunst. Die Strohdächer der Häuser, die Stroh- und Heuvorräte auf den Böden und in den Hausscheunen gaben Flammen reiche Nahrung. Und da der Rauch durch einfache Abzüge noch sehr heiß ins Freie gelangte, man oft mit heißer Asche hantierte und die Räume mit Kienspänen oder Öllampen erleuchtet werden mußten, war die Gefahr, daß unversehens Feuer ausbrach, immer groß. Die unzureichenden Löschhilfen, meist nur Eimerketten von Brunnen zur Brandstelle, machten den Kampf gegen die Flammen in der Regel aussichtslos.
1840 waren in der Seefeldgasse fünf Häuser eingeäschert worden, dann blieb der Ort wieder längere Zeit verschont. Dann brach am 26. Juni 1857, es war gerade Kirtagmontag, Feuer aus und vernichtete 24 Preß- und Wohnhäuser in der Holzgasse. Die Ursache blieb unentdeckt, es dürfte aber ein Feuerteufel am Werk gewesen sein, denn genau ein Jahr später, am 12. Juni 1858, begann es wieder in der Holzgasse genau dort zu brennen, wo es im Jahr davor aufgehört hatte. Diesmal war das Feuer vom Wind begünstigt und breitete sich rasend schnell aus. Heißes Fett und Firnis aus einer Tischlerei nährten es zusätzlich, es spritzte über die Gasse und setzte auch in der Seefeldgasse ein Haus nach dem anderen in Flammen. Bei der herrschenden Trockenheit und Sommerhitze waren sie im Nu niedergebrannt, die große Hitze erlaubte keine Annäherung, außerdem waren viele Hausbrunnen leer, daher war jeder Löschversuch aussichtslos. Die Feuerspritze der Commende Mailberg war in der Seefeldgasse in Gefahr, selbst zu verbrennen. Die Menschen an der Spritze, vom Rauch und der Hitze hart bedrängt, mußten dieselbe im Stich lassen und sich eiligst retten. Was man ins Freie heraustrug, verbrannte dort. Viele besaßen nur die am Leib getragenen Kleider, ebenso brannten viele auch licht aus. Der ganze weit von den Häusern liegende Holzvorrat ging zugrunde. Das Feuer wütete selbst gegen den Wind und äscherte die ganze Neustift ein. Die Not war so groß, daß man dem entfesselten Element nur von weitem zusehen mußte, ohne ihm auf irgend eine Weise Einhalt tun zu können. Fünfundsiebzig Häuser brannten ab und fünfundzwanzig Scheunen. Der Hochw. Herr Graf Schönborn ließ unter die Bedürftigsten 200 Gulden verteilen, bewilligte auch ferner viele Holzfuhren zur Herbeischaffung des nötigsten Baumaterials durch eigene Pferde für die Abbrändler. Leider waren viele nicht versichert und mit ihren Einzahlungen jahrelang im Rückstande. Es verbrannte viel Geflügel, doch ist kein Menschenleben zu beklagen.
Im September 1860 brannte es zur Druschzeit neuerlich. Diesmal brach das Feuer in der Scheune des Sattlermeisters Karl Gilka aus, es vernichtete 6 Scheunen und 46 Preßhäuser im Zipf sowie den Schafflerhof. Es blieb unklar, ob es durch Unvorsichtigkeit verursacht oder gelegt worden war. Wieder konnte man nicht löschen, teils wegen des Sturmes, teils wegen Wassermangel und wegen Not an Spritzen und Wasserkörben. Der Schaden war aber diesmal leichter zu verkraften, da nach der Erfahrung bei dem Unglück zwei Jahre vorher die meisten gut versichert waren.
Zu diesen Heimsuchungen kamen in manchen Jahren noch Hagelgewitter und andere Wetterunbilden, die den Mailbergern den beharrlichen Weg zu mehr Wohlstand und Fortschritt erschwerten.
Die Ausgestaltung und Modernisierung des Ortes war den Einwohnern in der 2. Hälfte des 19. Jh. ein wichtiges Anliegen. 1858 hatten der Seifensieder Josef Pangratz, ein gleichnamige Hausbesitzer und Gottfried Pangratz die Dreifaltigkeitssäule gestiftet, auch der Hl. Florian und die Säule mit der Mutter Anna bei der Kapelle wurden renoviert, diese ließ Graf Schönborn im Jahr darauf erneuern. 1862 wurde die über Auftrag des Grafen in Znaim überholte kleine Speis-Glocke, die kurz vorher einen Riß bekommen hatte, wiederum feierlich in den Turm gehängt. Zu diesem Fest waren von weitum und noch aus Mähren Besucher herbeigeströmt. Im selben Jahr errichtete man auch ein neues Kreuz auf der Buchberghöhe.
Das Jahr 1866 brachte einen leidvollen Einbruch in den stillen dörflichen Alltag. Die politische Auseinandersetzung zwischen Österreich und Preußen um die Vormachtstellung im deutschsprachigen Teil Europas strebten ihrem kriegerischen Höhepunkt zu. Schon 1864 hatte man im Ort durch den aus dem Krieg um Schleswig-Holstein heimkehrenden Johann Wachter mehr erfahren. Die Spannungen zwischen den Staaten wuchsen weiter und gipfelten 1866 in einem blutigen Krieg. In der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz in Böhmen siegten die Preußen. Auf ihrem Vormarsch in Richtung Wien kamen sie auch nach Mailberg. Ab 13. Juli marschierten zunächst kaiserliche Dragoner durch, dann konnte man in der Ferne Kanonendonner hören, am 16. Juli strömte dann die preussische Armee ins Land. Sie zogen zunächst auf den Feldwegen an Mailberg vorbei, erst am 23. Juli kamen Soldaten in den Ort. In der Folge lagerten Truppen im Zipf links auf dem herrschaftlichen Grund, der an die Keller und Weingärten stößt. Sie blieben bis 31. August und zogen nach dem Waffenstillstand wieder Richtung Norden ab. Die Gemeinde hatte nicht nur einen beträchtlichen finanziellen Schaden wegen der Requirierungen, am 29. Juli war auch die Cholera ausgebrochen. Ein böhmischer Bauer, bei Caslau zu Hause, war auf Vorspann bei den Preussen, erkrankte hier und starb. In acht Tagen darauf brach sie unter den Einwohnern Mailbergs aus und dauerte bis 29. September. Gestorben sind Kinder und Erwachsene, zusammen 80 Personen. Die die Kranken behandelnden Ärzte waren der Ortswundarzt Wilhelm Hauk, Sebastian Pascher aus Gr. Harras, Wobwobrsky aus Nappersdorf und Dr. Ortstein aus Oberstinkenbrunn.
Nachdem schon die Jahre vorher wegen anhaltend trockener Witterung wenig Wein gekeltert werden konnte und dieser wenige Wein ist sehr sauer und wird auch sehr bald weiß, so daß nur schlechter Essig aus ihm wird -, gab es im Cholerajahr eine katastrophale Mißernte, nachdem ein Reif im Frühjahr schweren Schaden verursacht hatte. Einige bekamen gar keinen Wein, die andern nur sehr wenig. Der Zimmermann Ignaz Proißl, Seefeldgasse Nr. 90, dessen Weingarten infolge seiner kesselförmigen Lage gegen den Reif geschützt war, bekam über 20 Eimer, während die Kommende nur 16 Eimer bekam. Der Most wurde um 9 Gulden verkauft.
Auch das folgende Jahr 1867 brachte wiederum schweren Schaden. Samstag, den 7. September nachmittags zwischen 4 5 Uhr war ein große, furchtbarer Hagel, beinahe ohne Regen, die Schlossen in der Größe einer Walnuß haben besonders in Mailberg großen Schaden angerichtet. Was der Reif verschonte, vernichteten jetzt die Schlossen. Im Pfarrhof wurden 30 Fensterscheiben eingeschlagen, im Schloß 200. Sr. Majestät Kaiser Franz Josef hat den durch Schauer verunglückten Bewohnern Mailbergs 1000 Gulden geschenkt.
Dafür gab es aber in den nächsten Jahren eine reiche und gute Ernte. Die hohe Qualität des Mailberger Weines wurde auch bei der Weltausstellung 1873 in Wien gewürdigt, wo alle drei Aussteller aus dem Ort, Bürgermeister Andreas Reischl, Pfarrer Thomas Ryzek und Philipp Dobrwolny, mit Anerkennungsdiplomen ausgzeichnet wurden.
Obwohl die Weingärten in dieser Zeit unter neu auftretenden Schädlingen litten und die Anbaufläche insgesamt zurückging, waren die letzten Jahrzehnte des 19. Jh. für den Markt gut. Die Zahl der Einwohner stieg weiter, der Lebensstandard verbesserte sich, die Modernisierung machte Fortschritte. 1869 wurde die Bahnlinie durch das Pulkautal durch Kaiser Franz Josef eröffnet, wozu sich die gesamte Gemeinde zur Begrüßung der Majestät nach Kadolz begeben hatte. 1871 ersetzte man die Schindeln auf dem Dach der Kunigundenkirche durch Ziegel, die Außenmauern wurden verputzt und grau gefärbelt und eine neue Turmuhr montiert. Im folgenden Jahr erweiterte man den Ortsfriedhof. Er erstreckte sich früher nur eng um die Kirche, nun vergrößerte man ihn in Richtung Schafflerhof, die alte Umfriedungsmauer wurde niedergerissen und eine neue errichtet zwei eiserne Gittertore schlossen nun den Friedhof ab. Damals ließ man auch drei Grabsteine aus dem 18. Jh. in die Mauer ein. Sie sind heute noch vorhanden und zeigen die Hl. Dreifaltigkeit und die armen Seelen im Fegefeuer. Die allerdings kaum mehr lesbaren Inschrift darauf lautete: Alhier ruhet der Ehrengeachte Herr Petter Steindl, seines Alters 40 Jahr, ist gestorben den 26. Dezember 1737. Die beiden anderen tragen die Namen von Eva Steindl und dem Ratsbürger Gabriel Lehner.
1874 verstarb Komtur Graf Schönborn, der sich immer wieder für die Gemeinde eingesetzt hatte. Sein Nachfolger wurde Adolf Graf Podstazky-Lichtenstein. Er war aber schon ein alter Mann und nicht oft zu sehen. In diesem Jahr brachen die Blattern aus und verbreiteten sich schnell im Ort. Insgesamt starben 120 Personen in diesem Jahr, davon 80 an der Epidemie.
1876 resignierte nach zehnjähriger Tätigkeit Pfarrer Thomas Ryzek, dem neben der Seelsorge vor allem der Weinbau ein besonderes Anliegen war. Ihm folgten wiederum Malteser-Ordenspriester, Anton Worm bis 1882, der dann nach Gr. Harras kam, und Ernst Hubka. Er wirkte bis 1907 und war ein von allen sehr geschätzter leutseliger Volkspriester.
1875 legte man für die Ortsjugend einen Turnplatz an, 1877 mußte man die Schule gegen das Hessische Haus hin erweitern, denn man zählte nun an die 300 Schulkinder im Ort. Es war dies das letzte Werk von Oberlehrer Keck, 1880 folgte ihm Alois Höfler. Er blieb nur sechs Jahre im Amt und wurde 1887 von Anton Kowald abgelöst, der bis 1908 die Schule führte und bei den Mailbergern in hohem Ansehen stand. Der beliebteste Schullehrer in diesen Jahrzehnten war aber Franz Haindl, der hier von 1875 bis 1908 unterrichtete. Er war im Ort sehr engagiert, arbeitete in den Vereinen mit und wurde schließlich mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Insbesondere war die Gründung des Volksbildungsvereines (Landwirtschaftliches Casino), wo die jungen Bauern moderne Landwirtschaft erlernen konnten, sein Verdienst, er war aber auch in der 1886 gegründeten Feuerwehr im Veteranenverein (1898) aktiv. Außerdem gab es damals auch eine Ortsmusikkapelle. Sie bestand schon länger und wurde früher von Josef Sitter geleitet. Er war der Vater des bekannten k. u. k. Militärkapellmeisters und Komponisten zündender Märsche Anton Sitter.
Am 14. Juni 1880 brach nachts die Brücke zusammen, die über den schon lange trockengelegten Graben ins Schloß führte. Sie wurde nicht mehr ersetzt, man schüttete an ihrer Stelle einen Erdwall auf und schuf so einen festen Übergang. Der Graf ließ damals auch die Orgel renovieren und 1883 die Uhr auf dem Schloßturm montieren. Sie war vorher auf dem Turm der Malteserkirche in der Kärtnerstraße in Wien angebracht gewesen.
1886 wurde für die eben neu gegeründete Feuerwehr ein Zeughaus erbaut. In diesem Jahr kam es auch zu mehreren rasch aufeinanderfolgenden, vermutlich gelegten Bränden. Zuerst brannten die Strohdächer der Häuser von Johann Scharka und Franz Woller. Josef Altenburger rettete damals eine alte Frau und zwei Kinder aus dem brennenden Haus. Ein paar Tage später brannte es wieder, die Feuerwehr kämpfte acht Stunden lang gegen die Flammen, die fünf Häuser und einig Scheunen bedrohten. Schließlich gab es eine Woche später neuerlich Feueralarm, wiederum waren einige strohgedeckte Häuser und Scheunen betroffen.
1881war Michael Maschl zum Bürgermeistermeister gewählt worden. Er war mit der gesamten Gemeindevertretung um den weiteren Ausbau des Ortes bemüht. 1888 war die Wasserleitung vom Rheinthal zum Hauptplatz fertiggestellt und die Leute konnten sich nun frisches Wasser von der Entnahmestelle auf dem Platz holen. Ihr fiel die dort stehende Prangersäule zum Opfer, die leider demoliert wurde und deren Trümmer noch viele Jahre vor dem Schulhaus lagen. 1890 wurde ein postcombiniertes Telegraphenamt eingerichtet und die erste Telegraphenleitung nach Stronsdorf gebaut. 1892 wurde der Hauptkanal durch die Ortschaft gelegt.
Bei der Volkszählung im Jahr 1890 hatte Mailberg mit 1498 Einwohnern (734 männliche und 764 weibliche) in 261 Häusern einen Höchststand erreicht. Neben 78 Pferden, 247 Rindern, 327 Ziegen und 259 Schweinen gab es auch noch 179 Schafe und 44 Bienenstöcke im Ort. 1889 hatte Michael Maschl als Bürgermeister resigniert und war von Andreas Baumhauer abgelöst worden. Bei der Gemeinderatswahl 1891 wurde Johann Schnitt an die Spitze der Kommune bestellt, als Gemeinderäte unterstützten ihn Josef Gogl, Johann Stolba, Franz Maschl und Andreas Baumgartner. Seit 1890 gab es mit Freiherrn Johann von Vernier-Rougemont auch einen neuen Komtur im Schloß.
Das für den Markt am Ende so erfolgreiche Jahrhundert klang mit einer patriotischen Feier auf dem Platz aus: Am 18. Juni 1899 enthüllte man über Initiative von Bürgermeister Leopold Pitter ein Denkmal für Kaiser Franz Josef. Es stand auf dem Platz an der Stelle, wo später das Kriegerdenkmal errichtet wurde. Die Büste des Kaisers, die nach Ende der Monarchie in eine Mauernische des Schulgebäudes gestellt wurde, stammte von der Wiener Firma Habenicht
Zurück zum Inhaltsverzeichnis