Im Brennpunkt des Geschehens

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Die Zeit nach 1070 war von der Auseinandersetzung des Kaisers mit dem Papst gekennzeichnet. Es ging nicht so sehr um die kirchlichen Reformen, sondern um die Frage der Laieninvestitur. Darunter verstand man das Recht des Kaisers, kirchliche Ämter mit Personen seiner Wahl zu besetzen. In dieser hochpolitischen Frage spielte auch das Streben der Fürsten nach mehr Macht gegenüber der kaiserlichen Zentralgewalt eine entscheidende Rolle. So kam es zur Bildung einer kaiserfeindlichen und papstfreundlichen Partei, der sich auch Markgraf Leopold II. anschloß. Obwohl die Babenberger immer eng mit dem Kaiser verbunden waren, gelang es nun Bischof Altmann von Passau und Leopolds Gemahlin Itha, der Witwe Haderichs, ihn auf die Gegenseite zu ziehen. Auf einer Versammlung in Tulln im Jahr 1081 schwor Leopold der Herrschaft Heinrichs IV. ab und versprach den Anhängern des Papstes alle Unterstützung. Heinrich übertrug daraufhin die Markgrafschaft an den ihm treuen Herzog Wratislaw von Böhmen.

Als Konrad, der Markgraf von Mähren, seinen Bruder Wratislaw um Hilfe gegen Plünderungen im umstrittenen Grenzgebiet bat, fiel dieser mit einem großen Heer, das er mit Söldnern aus dem Machtbereich des Bischofs Otto von Regensburg verstärkt hatte, im Frühjahr 1082 in das Pulkautal ein und begann den Grenzbereich mit Feuer und Schwert zu verwüsten. Leopold II. hatte inzwischen ebenfalls ein Heer gesammelt, in dem auch die Mannen Haderichs standen, dessen Besitzungen ja unmittelbar im Kampfgebiet lagen. Als Wratislaw auf der Hochstraße gerade an Mailberg vorbeizog, kam ihm Leopold mit seinen Truppen, vermutlich von der Ernstbrunner Seite her, entgegen. Am 12. Mai 1082 kam es zur großen Schlacht. Da die Hauptmacht beider Heere – es standen sich jeweils 3000 – 5000 Streiter gegenüber – aus Reiterkriegern bestanden, war die Ebene in Richtung Obritz ein geeignetes Gelände. Nach der allerdings eher literarischen als historisch exakten Darstellung des Cosmas von Prag wandten beide Heerführer verschiedene Taktiken an. Markgraf Leopold ordnete sein zahlenmäßig kleineres Heer zu einer Keilform, Wratislaw stellte sich in breiter Front auf: „Denn als Herzog Wratislaw sah, daß die Feinde das Schlachtfeld nicht freiwillig räumten, befahl er den deutschen Söldnern am rechten Flügel zu bleiben, seine Brüder Konrad und Otto ließ er den linken Flügel bilden. Seine eigenen Leute ließ er in der Mitte absitzen, wo der Feind am dichtesten stand, und zu Fuß angreifen. Blitzschnell sprangen sie ab, feuerten sich gegenseitig mit Gebrüll an, und wie wenn Feuer über die dürren Stoppeln des Feldes rast und in einem Augenblick alles verzehrt, so rieben sie die Gegner im Schwertkampf auf und streckten sie zur Erde nieder, so daß aus dem starken Aufgebot kaum einer überlebte, um mit dem Markgrafen zu fliehen“. Offenbar wurde der Kampf von der Reiterei mit Speeren und Lanzen begonnen, da aber keine Entscheidung fiel, wurde er zu Fuß mit Schwertern, vermutlich verbunden mit Flankenangriffen eines Teiles der böhmischen Reiterei, zu Ende gefochten. Ob die bis heute als „Schlagstatt“ bezeichnete Flur zwischen Obritz und Mailberg tatsächlich nach dieser denkwürdigen Schlacht benannt wurde, muß ebenso offenbleiben, wie die Frage, ob die 1899 beim Kellergraben gefundene große Menge an Menschen- und Pferdeknochen darauf zurückgeht.

Die Niederlage Leopolds war schwer und verlustreich – viele Hochadelige und Ministeriale waren gefallen - und blieb beim Volk lange in Erinnerung. Durch die Verwüstung des Gebietes bis zur Donau brach in der Folge eine große Hungersnot aus. Schließlich gelang es Leopold, den Feind wieder aus dem Land zu drängen. Er mußte sich aber dann Heinrich IV. unterwerfen, der 1084 nach seiner Kaiserkrönung aus Rom zurückgekehrt war. Dennoch hatte die Niederlage für das Land keine größeren negativen Folgen. Lediglich der Grenzstreifen zwischen dem Thayatal und dem Schatzberg wurde auf Dauer an Mähren abgetreten und so ein neuer Grenzverlauf festgelegt. Der Böhmenherzog Wratislaw wurde mit dem Königstitel entschädigt.

Das damalige Schicksal der Siedlung „Mouriberch“ ist nicht bekannt. Es ist aber wahrscheinlich, daß sie ebenfalls gebrandschatzt worden ist, möglicherweise wurde in dieser Zeit die Erdburg auf dem Friedhofshügel zerstört. Der Ort blieb aber jedenfalls im Besitz der Haderiche und kam von diesen um 1135 an das große Geschlecht der Kadolte, die im 12. Jh. in Pulkau, Harras, Mailberg, Göllersdorf, Stronsdorf, Zogelsdorf und schließlich Seefeld aufscheinen. Ein Kadolt, seit ca. 1135 Inhaber von Zogelsdorf und dem Wald „Mourberg“, schloß sich wie viele österreichische Adelige mit Markgraf Heinrich 1147 einem Kreuzzug an. Viele, die „das Kreuz nahmen“ und als „miles dei“, als Streiter Gottes, den weiten Weg nach Jerusalem antraten, stifteten Klöstern oder Kirchen einen Teil ihres Besitzes, denn es war ungewiß, ob sie je wieder zurückkehren würden. So wollten sie nach damaliger Auffassung wenigstens für ihr Seelenheil vorsorgen.

Kurz nach dem ersten Kreuzzug war um 1100 der Johanniterorden in Jerusalem gegründet worden. Seine Mitglieder verpflichteten sich, Pilger und Kreuzritter im Hl. Land zu betreuen, sie in ihrer Herberge aufzunehmen und im Falle einer Erkrankung oder Verwundung gesund zu pflegen. Bald benötigten sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe größere Mittel, und daher sandten sie Priester aus, die in Predigten die Menschen zur Unterstützung aufriefen. Vermutlich wurde Kadolt dadurch veranlaßt, vor Antritt seiner Kreuzfahrt - also um 1145 - seinen Besitz in Mailberg „ad altare beati Baptiste Johannis in Hierusaleme“ zu schenken. Einige Jahre später war Kadolt tot, und um sein Erbe entbrannte ein Streit. Ob er auf dem Kreuzzug ums Leben gekommen ist oder erst nach seiner Rückkehr, muß offen bleiben. Jedenfalls beanspruchte sein Neffe, Kadolt von Harras, seine Besitzungen, die der Johanniterorden aber nicht mehr hergeben wollte.

Scließlich schlichtete Markgraf Heinrich II. Jasomirgott am 15. August 1156 den Streit. Kadolt verzichtete auf die Güter, und der Orden seinerseits überließ ihm zwei Weingärten in Grinzing und einige bäuerliche Untertanen (Grundholden). Am 11. September 1156, dem Tag, an dem Heinrich zum Herzog ernannt und das „Privilegium minus“ für Österreich ausgestellt wurde, bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa auch diese Abmachung und beurkundete den Johannitern ihren Besitz.

Zu dieser Zeit dürfte die Ortschaft „Mauriberg“ zu Füßen des namensgebenden Haus- und späteren Friedhofsberges schon bestanden haben, vermutlich hatte sie noch Kadolt gegründet. Der Johanniter-Orden baute nun auf einer kleinen Anhöhe südlich des Ortes ein Kloster mit einem Hospital samt einer Kirche, die dem Ordenspatron Johannes d. Täufer geweiht war. Das Kirchlein der Hl. Kunigunde auf dem Hügel über dem Dorf bestand damals noch nicht.

Der zum Kloster gehörige Besitz, zu dem bald weitere Güter kamen, veranlaßte den Orden, Mailberg zu einer Kommende, zu einem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum zu machen. Für diese Entscheidung war sicher auch die Lage des Ortes maßgeblich. Hier trafen die uralte Hochstraße, die aus dem Waldviertel und durch das Pulkautal nach Staatz bzw. bei Laa nach Mähren hinein führte, und der vom Süden aus dem Göllersbachtal ins Pulkautal leitende Weg zusammen.

An Mailberg erfolgten noch im 12., vor allem aber im 13. Jh. große Schenkungen. Sie kamen meist von der Sippe der Kadolte, die in engen Beziehungen zum Geschlecht der Kuenringer standen. Aus diesem Adelsverband überließ 1175 Konrad von Raabs dem Orden bei dem heutigen Ort Münichschlag im Waldviertel 30 Hufen ungerodetes Waldland und einen Meierhof. Im Jahr 1207 bestätigte Papst Innozenz III. den Johannitern bereits „das Haus und das Dorf in Mourberc mit Feldern, Wäldern, Weingärten, die Kirche des hl. Johannes des Täufers und die zugehörigen Pfarrdörfer Kadolz, Stranzendorf, Zwingendorf und Rodings“. Aus diesem Schriftstück geht auch hervor, daß die Pfarre Mailberg aus der Mutterpfarre Wullersdorf, die dem Stift Melk zugehörte, herausgelöst worden und mit den zuerst genannten dem Johanniter-Kloster zehentpflichtig war. Am 14. November 1208 bestätigte der Erzbischof Eberhard von Salzburg„daß der Abt Reinold zu Melk mit Wissen und Willen des ganzen Konventes in Gegenwart des Erzbischofs und seiner Mitrichter, des Abtes Hadmar von Garsten und des steirischen Archidiakons Heinrich, sich aller Forderungen und Ansprüche auf jenen Zehent zu begeben und das Recht der Brüder von Mailberg auf dieselbe anerkannt habe.“ Die Grundherren der Mailberger sind also immer die Johanniter gewesen.

An Besitzungen kamen zur Kommende Mailberg später noch die Pfarren Walkenstein bei Horn, Spital bei Weitra, Rabensburg an der March und Groß-Harras hinzu. Letztere überließ ihr der letzte Kadolt, Heinrich von Seefeld, „als Buße für den Schaden, den er ihnen zugefügt hatte“. Er übergab den Ordensbrüdern 1268 auch noch die Pfarre Ebenfurth an der Leitha. Sehr früh sind die Zehentrechte von Michelstetten und Blaustauden an die Kommende Mailberg gekommen. Bereits 1247 hatte Graf Konrad II. von Hardegg den Johannitern für das Seelenheil seiner verstorbenen Frau einen Hof zu Markersdorf und einige Güter zu Unter-Retzbach geschenkt, im Jahr 1263 erwarb Prior Konrad ein Lehen in Pernhofen von Otto von Hagenberg. Mit König Ottokar von Böhmen, der nach dem Tod des letzten Babenbergers ab 1251 das Land beherrschte, hatten die Brüder von Mailberg ein gutes Einvernehmen, und er bestätigte ihnen alle ihre Besitzungen.

Wie umfangreich schließlich der Besitz der Johanniter von Mailberg im Laufe des Mittelalters geworden ist, zeigt ein Urbar (Grundverzeichnis) aus dem Jahre 1529. Damals hob die Kommende in 45 Orten Abgaben ein oder hatte dortUntertane.

Ab dem 13. Jh. sind „magister fratrum in mourberch“, also Komture des Johanniter-Hospitales und Klosters überliefert. Aus dem Jahr 1232 werden die Namen Ludwig und Friedrich, 1244 wird Wolfger genannt und 1263 Konrad. Aus dem Jahr 1292 kennen wir noch den Komtur Leupold von Stillfried.

Daneben ist auch von den Prioren des „Ordinis Hospitalis sancti Johannis dictus de Meurenberge“ die Rede, die dem Kloster vorstanden, aber mit der Wirtschaftsführung nichts zu tun hatten. Einer von ihnen hatte um 1260 einen seiner Fratres mit Namen Heinrich eingekerkert. Der Bruder hatte wohl gegen die Ordensregel verstoßen, worauf gemäß den Konventsregeln Kerkerstrafen bei Wasser und Brot und in eisernen Banden vorgesehen waren. Heinrich wandte sich in einem dramatischen Hilferuf an seinen Onkel Meingoz von Waldeck, Dompropst von Passau und Archidiakon von Österreich: „Denn mein Prior, der Barmherzigkeit ganz und gar vergessend, hat mich mit eisernen Fußfesseln eingekerkert und mich plagt, was noch härter ist, ein so bitterer Durst und Hunger, daß ich dem Tod nicht zu entgehen hoffe, wenn seine Strenge gegen mich nicht durch sofortige Hilfe gemildert werden kann“.

Der Hilferuf ist in einem zeitgenössischen Codex, den „Laaer Schulmeisterbriefen“, enthalten. Es könnte wohl gewesen sein, daß der so hart Bestrafte über den damaligen Laaer Stadthauptmann Kadolt von Wehing, der mit Meingoz gut bekannt war, mit seinem Verwandten Kontakt aufgenommen hat. Im Antwortschreiben will Meingoz nicht an die Strenge des Priors glauben, verspricht aber, selber nach Mailberg zu kommen. Tatsächlich hielt sich Meingoz 1265 in Laa auf, er könnte dabei einen Abstecher nach Mailberg gemacht und im Hospital nach dem Rechten gesehen haben.

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