Leidenszeit und Wiederaufbau der Kommende

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In der 2. Hälfte des 15. Jh. war Komtur Achaz Bohunko die bestimmende Persönlichkeit in Mailberg. Er war ursprünglich Führer böhmischer Söldner, schlug sich aber in der Auseinandersetzung Kaiser Friedrichs III. mit den Landständen und der Stadt Wien auf dessen Seite. Der Kaiser gewährte ihm dafür manche Begünstigung. Als Friedrich plante, die Mailberger Kommende dem Ritterorden zu entziehen und sie dem von ihm geplanten St. Georgs-Orden zu übereignen, konnten die Johanniter dies schließlich verhindern, wohl nicht zuletzt auch mit Hilfe des einflußreichen Bohunko. Doch die Zeiten waren politisch und wirtschaftlich schwierig. Mißernten brachten Hungersnot, Kriegsleid die Auseinandersetzung Friedrichs mit dem Ungarnkönig Matthias Corvinus. 1477 fiel Matthias mit Truppen im nördlichen Niederösterreich ein und besetzte auch Mailberg. Bohunko, der 1479 starb, hatte dem kaiserlichen Kämmerer, Konrad Auer, das Amt des Meisters (Komtur) von Mailberg mit der Auflage verschrieben, die Komturei nur dem Großmeister des Ordens zu übereignen. König Matthias hielt „die Burg Martperg“, wie der Konvent nun genannt wurde, aber weiterhin besetzt und hatte sie unter das Kommando eines Hauptmannes gestellt. Die Johanniter setzten ihrerseits Johannes Florstet als Komtur ein, und der Generalprokurator Johannes von Schaumburg bemühte sich, Mailberg wieder in die Hand zu bekommen. 1482 forderte sogar Papst Sixtus IV. König Matthias auf, die von ihm unrechtmäßig besetzte Herrschaft dem Georg Florstet zurückzugeben. Als das nichts nützte, befahl der Papst 1484 hohen kirchlichen Würdenträgern und vor allem dem einflußreichen Abt von Klosterbruck bei Znaim, Georg Florstet gegen die Übergriffe in Schutz zu nehmen und ihm bei der Wiedererlangung der Güter, die der Kommende Mailberg entzogen worden waren, behilflich zu sein.

„Schloß und Herrschaft Marperg“ waren aber von Matthias an Kaiser Friedrich III. gekommen, der es in seiner ständigen Geldnot für 7000 Gulden an die Brüder Andreas, Ulrich und Wolfram von Grafenegg verpfändet hatte. 1494 versprach der oberste Kanzler von Böhmen, Jan von Schellenberg, das Schloß Mailberg dem Johannterordensritter Andreas von Grafenegg oder dessen Hauptmann Nikolaus Pflug für 800 Gulden zurückzugeben. Damals war Friedrich von Weissing Hauptmann zu Mailberg.

Der Streit wurde aber erst im Jahr 1504 von Kaiser Maximilian I. beigelegt. Da nach dem Tod seiner Brüder nun auch Ulrich von Grafenegg in den Johanniterorden eintreten wollte, stellte der Kaiser Mailberg auf Bitten des Priors Johann die Rückgabe an den Orden für 3000 Gulden und ein Darlehen von 1000 Gulden in Aussicht, endgültig kam die Kommende aber erst 1517 wieder an die Johanniter.

Der Niedergang der Kirche im 15. Jh. und die nachfolgende Reformationszeit hinterließen auch in Mailberg ihre Spuren. Der Konvent, das „Priesterhaus“, verschwand allmählich aus dem Orden, die Kommende als weltlicher Herrschaftssitz trat in den Vordergrund. Als Komture scheinen damals Hugko Popel (Hugo Paul) von Lobkowitz (1517) und Johann Kaltderer (1521) auf. An ersteren erinnert noch heute eine Grabplatte, die im Schiff der später neu aufgebauten Schloßkirche in die linke Wand eingelassen ist. Sie zeigt neben dem Lobkowitz-Wappen die Umschrift: „Hier liegt begraben der Wolgeporne Her, Her Hugko popel von Lobkowitz komendator gewesen zu Mailberg, der gestorben ist am Sambstag des neuen Jahres abent dem Gott genadig sey amen. Ano domini M5XX d. i. 1520“.

Johann Kaltderer gab 1533 die Nachfolge an Reinprecht von Eberstorff, genannt Thierstein, weiter. Dieser war ein mächtiger Kriegsmann gewesen und hatte bei der Türkenbelagerung von Wien 1529 die Landmiliz befähligt. Auch politisch spielte er im Land eine bedeutende Rolle. Er starb schließlich in Mailberg, und seine Grabplatte ist in der Schloßkirche gegenüber der für Lobkowitz erhalten geblieben. Sie stellt den Grafen in Ritterrüstung und lebensgroß dar und trägt die Inschrift: „Hier ligt begraben der Wolgeborn Gestreng Ritter Herr Reinprecht Graff zu Thierstein und Herr von Eberstorff, Erb Cämrer in Österreich, Rom. K. K. Majt. Rat und Oberster Feld Marschallch in Ungarn, Sanct Johanns Ritter Ordens Bruder und Comenthur zu Mailberg, Striga und Preßlaw In Gott entschlaffen Anno Dom 1554 den 10ten Tag Januari. dem Gott Genad“.

Ihm folgten als Komture in Mailberg 1555 Ludwig Freiherr von Pollweiller und 1557 Christoph Sigmund Regmer von Mortitz. Zu dieser Zeit waren das Konventsgebäude und die Kirche ziemlich desolat und offensichtlich keine Ordensbrüder mehr da. Vermutlich haben sie im Zug der lutherischen Reformation den Konvent verlassen, wenn auch in einem Bericht 1544 noch die vorgeschriebene Abhaltung der Gottesdienste gemeldet wurde. Eine spätere Visitation des Ordensoberen im Jahr 1561 ergab dann eine ziemlich trostlose Situation. Besonders arg war die Kirche mitgenommen, sie drohte gänzlich einzustürzen und die Seitenmauern wiesen bereits Einbrüche auf, „so daß die Vögel hinein und heraus flogen“. Trotz der Aufforderung an Regmer, sie wieder herzurichten, geschah zunächst nichts, entweder, weil der Komtur nicht wollte oder gar nicht die Mittel dazu hatte. Es gab einige Zeit nicht einmal mehr einen Pfarrer für die Kirche.

Auch das Ordenshaus oder „Schloß“, wie es nun bezeichnet wurde, war ziemlich baufällig geworden. Es war noch nach mittelalterlicher Art mit starken Türmen und Vorwerken versehen, die aber nun keinen rechten Zweck mehr erfüllten, denn die Kriegstechnik hatte sich durch das Schießpulver weiter entwickelt und die Zeit der Belagerungen war vorbei. Auf Regmer folgten 1576 „Johann von Thettschau, genannt Mettich“ und 1579 Ludwig Colloredo als Komture. Sie konnten oder wollten dem Verfall der Anlage nicht Einhalt gebieten.

Erst als 1594 Karl Tettauer von Tettau nach Mailberg kam, änderten sich rasch die Verhältnisse. Er ließ den alten Bau kurzerhand zum größten Teil abreißen - nur die Grundmauern und zum Teil die Vorwerke blieben stehen - und begann einen aufwendigen Neubau. Seine Mittel und auch seine Amtszeit reichten aber nicht aus, um das Werk zu vollenden. So mußte sein Nachfolger Graf von Sternberg ab 1609 den „unvollendeten und unsymmetrischen“ Bau fortsetzen. Er tat es jedoch nur „überm Daum mit einigen tausend Gulden“, so daß die Räume wenigstens einigermaßen bewohnbar wurden. Eine gute Vorstellung vom Aussehen dieses von Tettauer begonenen und erst von Kollonitsch ca. 1660 fertiggestellten Ensembles kann man sich aus der bekannten Darstellung von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672 machen.

Damals war auch die alte Kirche wiederhergestellt. Tettauer hatte sich darum nicht bekümmert, im Gegenteil, er hatte sie weiter verfallen lassen. Großprior Heinrich von Logau beauftragte Sternberg anläßlich der Visitation 1609 dringend mit dem Wiederaufbau, was dann allmählich auch geschah. Nördlich des Altarraumes, wo heute die Sakristei ist, erhob sich ein niedriger Quaderturm mit einem stumpfen Dach, der später allerdings wieder abgebrochen und nicht mehr erneuert wurde.

Die Ortschaft Mailberg entwickelte sich im 16. Jh. zunächst günstig. Schon im 15. Jh. als Markt bezeichnet – allerdings ist kein Hinweis auf eine so frühe Marktrechtverleihung erhalten geblieben -, bestätigte 1514 auf Betreiben des damaligen Komturs Christoph von Waldener Kaiser Maximilian zwei Jahrmärkte, und zwar zu Exaudi (= Sonntag vor Pfingsten) und am Sonntag vor Martini (11. Nov.), sowie einen Wochenmarkt an jeden Mittwoch. Da solche Marktprivilegien auch steuerliche Vorteile für die Händler brachten – sie brauchten bei der Fahrt zum Markt keine Mauten zu entrichten –, waren sie mit erheblichem wirtschaftlichen Aufschwung für den Ort verbunden, in den nicht nur an den Markttagen viele Menschen strömten, sondern der durch Marktgebühren auch gute Einnahmen hatte.

Schon 1509 hatte der Kaiser „Bürger und Leut des Marktes Martperg“ wegen der Verdienste des Peter Maraschitz vier Jahre lang von allen Abgaben befreit. Maraschitz war vermutlich als Komtur im Rückgabestreit mit dem Orden für die Interessen des Kaisers eingetreten.

Eine andere Bedrohung des Landes, nämlich der Vorstoß der Türken im Jahr 1529 bis vor Wien, hat zwar keine direkte negative Auswirkung für das nördliche Niederösterreich gehabt. Allerdings stiegen die finanziellen Belastungen durch diese Kriegsereignisse und trafen die Landbevölkerung in Form erhöhter Abgaben. In dieser Zeit hatte insbesondere der Weinbau eine Hochblüte erreicht, denn seit Ende der Kriegszeiten war der böhmische Exportmarkt wieder offen. Während es den Bauern im allgemeinen schlechter ging, verzeichneten die Winzergemeinden gute Ertragsjahre und brachten den Herrschaften bedeutende Einnahmen. So wurden in dieser Zeit in Retz jährlich 50.000 bis 60.000 Eimer nach Böhmen und Schlesien verkauft. Auch wenn von Mailberg keine direkten Zahlen bekannt sind, wird auch hier das Weingeschäft gut gelaufen sein und der Hof in der Johannesgasse in Wien als Umschlagplatz eine entsprechende Rolle gespielt haben. Ein Teil des Weinvorrates wurde an den Markttagen auch im schon 1551 erwähnten Wirtshaus des Ortes ausgeschenkt. Es wurde unter dem Komtur Sternberg 1610 neu erbaut und diente ausdrücklich dazu, den herrschaftlichen „Wein und den vorräthigen Hafer verwahren und verschleyßen“ zu können.

Da der Getreideanbau in dieser Zeit wenig Ertrag brachte, einerseits, weil die Böden an Fruchtbarkeit einbüßten, andererseits, weil zwar viel Hafer, aber wenig Roggen und Weizen und fast gar keine Gerste angebaut wurde, drohte bei knapper Versorgung dem Land immer wieder Hunger. Schon aus diesem Grund konnte der Kaiser die Getreidebauern nicht stärker belasten, daher wurden die Abgaben für Wein deutlich angehoben. 1530 wurde das Ungeld - die Getränkesteuer - erhöht, 1557 das Zapfenmaß - eine weitere Getränkesteuer - eingeführt und 1568 neuerlich erhöht. Um den Weinanbau in geordneten Rechtsverhältnissen zu halten, wurde 1534 eine eigene Weinbauordnung erlassen.

Gegen Ende der unruhigen Reformationszeit wird es um den Markt Mailberg wie um die meisten Orte unserer Gegend nicht gut bestellt gewesen sein. Die Gegenreformatoren des Kaisers zogen durchs Land und machten alle, wenn es sein mußte auch unter Drohungen, wieder katholisch. Es gab kaum mehr Geistliche in den Dorfkirchen, was besonders für die ländlichen Pfarren geistige Verarmung bedeutete. Vom Verfall des Mailberger Ordenshauses und der Kirche war schon die Rede. Offenbar war auch die gesamte Ortschaft arg mitgenommen, denn in einer obrigkeitlichen Erhebung aus dem Jahr 1590, im Bereitungsbuch, werden in Mailberg 76 Häuser gezählt, von denen aber 60 abgebrannt waren.

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